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© „gAR(T)bage can“:  Ewald Wildtraut. 2018

Mon(k)ey Times

Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut. (Theodor Fontane)

 

Was werden künftige Archäologen anhand der Artefakte, die wir Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts ihnen hinterlassen, für Thesen über unser Dasein und Denken entwickeln?

Vielleicht werden sie aufgrund all der dekorativen Kunst annehmen, wir hätten in einer Art Paradies gelebt, ohne jegliche Probleme und Herausforderungen.

Wir hätten den lieben langen Tag lang ein david-hockneyeskes Leben am und im Pool verbracht –schreiend bunt bis zum Abwinken.

Weil uns offensichtlich langweilig war, hätten wir Bilder auf den Kopf gestellt, Ecken aus Fett geschmiert oder – „Ist das nicht genial?!“ – eine Palette aus bloß einer Farbe entwickelt.

Da die Realität außerhalb des Ateliers (gottlob hatte Herr und Frau Künstler nicht viel damit zu tun) mutmaßlich hart und schnöde war, beschloss man und frau sie gleich ganz außer Acht zu lassen und fortan abstrakt – nun ja – zu arbeiten.

So entstand laufend neue Meterware. Und so mancher Schöpfer (w / m) wäre bestimmt aus Platzmangel daran erstickt, hätte er nicht einen Verbündeten im Galeristen (m / w) gefunden.

Dieser war oft genug selbst ein gescheiterter Künstler, konnte aber besser mit Geld umgehen, zumindest dachte er öfter daran (präziser: er dachte nur an Geld).

(Artikel wird im August 2018 fortgesetzt).

Voll in Ordnung

 

„Alles neu macht der Mai!“

In diesem Sinne standen im Wohnzimmer umfangreiche Aufräum- und Umbaumaßnahmen an. Dabei drängte sich die Frage auf: „Welche von den vielen Dutzend Kunstbänden (zu verschiedenen Epochen und zahlreichen Einzelkünstlern) sollen künftig noch im neuen (deutlich schmaleren) Regal verbleiben?“

Letztlich “überlebten“ mehrere Folianten zur Fotografie (die von vorn herein nicht zur Disposition standen), zwei Bücher über Goya sowie je ein Kompendium zu da Vinci, Caravaggio, Velázquez, Rembrandt, Vermeer, El Greco, Menzel, Turner, Duchamp, Ernst und Polke; ferner – abgesehen vom guten, alten Gombrich („Die Geschichte der Kunst“) – je ein Nachschlagewerk zur Deutschen Romantik, über den Realismus, zu Dada und zum Surrealismus.

Alle anderen Bücher – vor allem jene über die (klassische) Moderne und insbesondere zur zeitgenössischen Kunst – landeten entweder bei „momox“ oder, wenn sie dort keinen monetären Wert hatten, wahlweise in einem nahegelegenen Bücherschrank oder in der Papiertonne.***

Im Nachhinein verwunderte diese radikale Auslese.

Wobei?! Wie oft passiert vor einem zeitgenössischen Kunstwerk das, was der Autor regelmäßig etwa vor einem Michelangelo, Grünewald, van Dijk oder Ribera bekommt?

Eine Gänsehaut.

*** Nachdem es wegen eines ausgeblichenen Buchrückens bei momox nicht verkäuflich war und in den Wirren des Wohnzimmerumbaus offenbar verlegt (sic!) wurde, fand sich zu Beginn des Abbaus des alten Regals auf dem Möbel – zur allgemeinen Überraschung und Verlegenheit – ein TASCHEN-Buch über die Kunst des 20. Jahrhunderts. Seither stellt sich – frei nach Polke – die Frage, ob „höhere Mächte“ befahlen (und wenn ja, warum?), dass dieses „Druckwerk“ der Aussortierung entging? Und solange diese Frage nicht endgültig beantwortet ist, bekommt der Wälzer halt eine Gnadenfrist.

Pigcasso

 

Auf Youtube läuft ein Video, das eine malende Sau aus Südafrika zeigt: https://youtu.be/1pvwlhEUqFk

Verrückt, aber es gibt tatsächlich (nicht wenige) Käufer, welche die schweinischen „Schinken“ (auf Leinwand) für Preise teils über 2.000 Euro erwerben.

Wobei …

… sehen die Pinseleien vieler (menschlicher?) Maler (m/w) denn nicht oft noch stümperhafter aus als die bunten Ferkeleien des Borstenviehs?

Während es Pigcasso nach seinem versauten „action painting“ jedoch stets an den Futtertrog (seinen eigentlichen Lebensmittelpunkt) zieht, drängt es seine zweibeinigen Art-Genossen geradezu manisch in die Öffentlichkeit.

Es scheint eine Art Naturgesetz zu gelten: je unzulänglicher und uninspirierter die Malerei, Graphik, Bildhauerei etc. ausfällt, desto größer ist das Selbstbewusstsein ihrer Schöpfer (m/w).

In der Körperzelle des Menschen finden sich 46 Chromosomen, in jenen des Hausschweins (Sus scrofa) dagegen nur 38.

Mutmaßlich befindet sich auf diesen 8 Chromosomen ein Gen (und somit die Erklärung dafür), warum Pigcasso seine Scheisse im Stall oder auf der Wiese belässt, während der Homo (von wegen!) sapiens sapiens diese gern anderen zeigt (und damit dem Kleinkind ähnelt, welches in der „analen Phase“ stolz seine „Kacka“ präsentiert).

Was unterscheidet Mensch und Tier?

Als Antworten fallen häufig, dass der Mensch über sich, sein Tun und Sein nachdenken kann; dass er nicht (primär) angeborenen Trieben und Reflexen folgen muss, sondern planvoll, sich selbst beobachtend und regulierend handeln kann; dass der Mensch befähigt ist, allgemeine Prinzipien und Werte zu aufzustellen (oder – von zweiter Hand erarbeiteten bzw. vorgegebenen – zumindest zu folgen), die sein Tun –gerade auch moralisch – leiten.

Last but not least sind es diese intellektuellen Kapazitäten, die es dem Mensch ermöglichten, (zivilisatorische und kulturelle) Techniken zu entwickeln, die im Laufe der Evolution immer ausgefeilter und komplexer wurden.

Solche allgemeinen und „höheren“ Prinzipien sind Pigcasso – um im Bild zu bleiben – scheißegal. Folglich pinselt er ohne jegliche Selbstbeobachtung und -beherrschung sowie bar jedweder handwerklichen Kriterien bzw. probaten Darstellungsweisen einfach wild darauf los.

Jedoch nicht nur er.

Während Pigcasso seiner Natur gemäß aber schlicht nicht anders kann, wären Vertreter (m / w) – etwa der „gestischen Malerei“ – prinzipiell sehr wohl in der Lage, reflektiert vorzugehen.

Bezeichnend, dass sie es nicht tun.

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